[Deus In Vitro] Manipulation des menschlichen Erbguts.

Wie bereits angekündigt, wird am 15.06.2017 endlich etwas von mir veröffentlicht. Dieses Mal lasse ich auch keine Ausreden zählen und wenn doch zieht mir Marlen mit der Peitsche ordentlich eins über, dann traue ich mich gar nicht erst, aufzugeben.

Die erste Geschichte wird den Titel „Deus In Vitro“ tragen (da der Titel noch einige Male vorkommen wird, werde ich ihn mit DIV abkürzen). Auf den Titel gehe ich gleich nochmal ein.

Aber der Grund, aus dem Du wahrscheinlich hier bist, ist der Inhalt. Wie der Titel dieses Beitrags schon zeigt, geht es in DIV um die Manipulation des menschlichen Erbguts. Genauer gesagt wird es um die Auswirkungen eines Experiments gehen, das weitreichende Folgen für die Menschheit haben wird.

Der Leiter des Projektes – Nexus – sagte auf einer Tagung (die im Geheimen im Sommer 2021 stattfand): Das Ziel von Projekt DIV sei nicht weniger als die Erschaffung einer komplett neuen menschlichen Rasse. Eine Rasse, die genetisch optimiert wurde, um die alten Lasten der Menschheit, wie Krankheit und Tod endgültig hinter sich zu lassen.

Man war nach wie vor einhellig der Meinung, dass man das Projekt wenigstens unter Verschluss halten sollte, bis der erste Testorganismus die Volljährigkeit erreicht hat und nachgewiesen wurde, dass die Organismen uneingeschränkt (und beliebig oft reproduzierbar) lebens- und überlebensfähig sind. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um eine Revolution in Gang zu setzen: Es sollte möglich sein, Leben aus den kleinsten Bausteinen von Grund auf neu zu erschaffen. Genetisch optimierte – nach Einschätzung des Projektleiters gottgleiche – Menschen wären in der neuen Weltordnung erst der Anfang.


Na, neugierig? Tatsächlich – und ich gebe es lieber gleich zu – ist die Idee nicht wirklich neu. Wer bei Menschen im Reagenzglas an Aldous Huxley denkt, wird damit nicht wirklich falsch liegen (ich gebe zu, dass ich BNW nie gelesen habe, ich werde es sobald wie möglich nachholen).

Was mich allerdings viel mehr fasziniert: Wie bereits Marc Elsberg eindrucksvoll bewiesen hat, ist es gar nicht so abwegig, dass jemand genetisch optimierte Menschen in Umlauf bringt (jedem der sich für das Thema interessiert, sei an dieser Stelle Helix wärmstens empfohlen). DIV geht noch ein Stück weiter, indem die neuen Menschen von Grund auf neu gebaut werden (wie genau konnte ich den Forschungsunterlagen noch nicht entnehmen, dieser Teil war ausgeschwärzt). Fakt ist allerdings, dass die Vorstellung von der Manipulation des Genoms schon seit Jahren möglich und die ersten Verfahren befinden sich bereits im industriellen Einsatz (Monsanto dürfte vielen ein Begriff sein und gilt als „die Firma“ schlechthin für sogenannte „grüne“ Gentechnik).



Tatsächlich wurde die Methode, die den klangvollen Namen CRISPR/Cas9 trägt schon 2012 vorgestellt. Im Schnelldurchlauf: Die Methode wurde aus Bakterienzellen kopiert und später daraufhin optimiert, dass sie im Prinzip auf jeden beliebigen Organismus anwendbar ist. Um noch einmal auf Elsberg zurückzukommen:

Dieser Abschnitt nimmt einen Teil der Handlung in Marc Elsbergs Helix vorweg und ist entsprechend mit Vorsicht zu genießen.

Der Vorteil an CRIPSR/Cas9 ist eindeutig, dass sie einfach ist und dass man den Eingriff später nicht mehr nachweisen kann, womit sich teure Prüfverfahren für die Markteinführung genetisch manipulierter Organismen (vor allem resistente Nutzpflanzen) umgehen lassen. Abgesehen davon ist das Verfahren relativ leicht anwendbar und ist bemerkenswert effizient, da man mehrere „Eingriffe“ parallel durchführen kann. Abgesehen davon ist die Fehleranfälligkeit von CRISPR/Cas9 so gering, dass man sie (zumindest in vitro) jederzeit quasi vernachlässigen kann.



Auch wenn das Verfahren noch „nur“ bei Pflanzen angewendet wird, ist es im Prinzip nur noch eine Frage der Zeit, bis CRISPR/Cas9 tatsächlich auf Menschen angewendet wird. Von der Erschaffung komplett neuer Organismen wie in einem Gen-Baukasten sind wir wahrscheinlich noch mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte entfernt, aber an sich ist DIV deutlich mehr Science als Fiction.

Bereits heute ist mit CRISPR/Cas9 möglich, was vor drei Jahrzehnten noch völlig undenkbar war, als der Mechanismus zum ersten Mal bei Bakterien entdeckt wurde. Wer weiß, vielleicht sind in drei Jahrzehnten genetische Eingriffe möglich, die uns heute unmöglich erscheinen. Denn eine Sache ist gewiss: Die Wissenschaft schläft nicht und manchmal holt die Realität die Science-Fiction viel schneller ein, als manch Einem lieb ist.

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