Das Licht der letzten Tage (Emily St. John Mandel)

Klappentext

Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist.

Ein Wimpernschlag, und die Welt ging unter. Eine Pandemie hat fast die gesamte Menschheit dahingerafft, doch selbst zwanzig Jahre danach, geben die Überlebenden nicht auf. Obwohl Tod und Verfall ihre ständigen Begleiter sind, haben sie nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie erinnern sich an all das, was einst so selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass es für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg durch eine leere Welt werden sie von unerschütterlicher Hoffnung geleitet, denn sie wissen: Selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit.

Der erste Satz

„Der König stand schwankend in einer Lache aus blauem Licht.“

Zur Geschichte selbst

Der Klappentext liest sich wesentlich romantischer als das Buch tatsächlich ist. „Das Licht der letzten Tage“ beschreibt die Geschichte einer Zivilisation, die durch eine verheerende Mutation von Grippeviren komplett zerbricht. Die Pandemie der Georgischen Grippe rafft einen großen Teil der Menschheit dahin. Wer sich mit dem Virus infiziert, erkrankt nach wenigen Stunden und ist nach spätestens zwei Tagen tot.

Die wenigen Überlebenden müssen sich in einer Welt nach der Apokalypse komplett neu zurechtfinden und erinnern sich mit Freude an die schönen Dinge, die es im Leben vor dem Zusammenbruch gab.

Meine Meinung

Ich bin schon eine Weile um das Buch herumgeschlichen und hatte es bei meinen Jagden in der Buchhandlung mehrmals in der Hand, habe mich dann aber doch jeweils für andere Bücher entschieden. Beim letzten Großeinkauf bei meinem Lieblingsversandhändler habe ich die Taschenbuchausgabe dann endlich in den Einkaufskorb geworfen.

Danach dachte ich mir: Vielleicht liest du mal kurz rein, immerhin waren die meisten Rezensionen durchweg positiv. Was soll ich sagen? Mit „einmal kurz reinlesen“ war es nicht getan. Schon nach dem ersten Kapitel wollte ich den Rest auch noch haben. Siehe da: Freitagabend geliefert, Montag auf dem Heimweg ausgelesen (nach einem fast lesefreien Wochenende).

Faszinierend ist dabei allerdings folgendes: Auf den knapp 400 Seiten passiert erstaunlich wenig. Zumindest wenig, das man gemeinhin als „Action“ bezeichnen würde. Der größte Teil der Erzählung besteht aus Wanderungen und Erinnerungen an eine längst vergangene Zivilisation. Neben der Erklärung, wie es zum Zusammenbruch kam und wie die unterschiedlichen Menschen damit umgegangen sind.

Tatsächlich war allerdings Langweile das einzige Gefühl, dass ich bei diesem Roman vermisst habe (wenn man von einigen Wiederholungen absieht). Allein schon die Art, wie die Autorin mit der Sprache umgeht und wie sie aus einem 08/15-Aufhänger für einen absolut typischen Endzeitroman eine Geschichte macht, die sich nicht so recht in irgendwelche Genres quetschen lässt. Im Grunde genommen ist der Roman dem Genre Dystopie bzw. postapokalyptisch zuzuordnen. Und doch ist die Geschichte so viel mehr. Entgegen der sonstigen Vertreter des Genres fokussiert sich „Das Licht der letzten Tage“ auf die schönen Seiten der Welt vor und nach dem Zusammenbruch.


Mein Fazit

Es ist erstaunlich. Der Roman (im Original mit „Station Eleven“ betitelt) liest sich wie eine Liebeserklärung an unsere Welt (besonders an Shakespeare scheint die Autorin sehr zu hängen) und gleichzeitig wie eine Warnung an die Vergänglichkeit dessen, was wir als selbstverständlich hinnehmen. Dabei sind es vor allem die Kleinigkeiten der Welt an denen sich die Charaktere festhalten und die verschiedensten kleinen Eigenheiten der Menschen in dieser lichtlosen Welt nach dem Zusammenbruch, die den Roman besonders machen.

Allerdings erlebt nur die Grundidee diese Perfektion. Der rote Faden – der bekannte Schauspieler Arthur Leander – ist eine nette Idee, allerdings kommen ein paar Einschübe zu viel über sein Leben, nachdem der Tod dieser Figur schon im ersten Kapitel bekannt wird. Die letzten Minuten seines Lebens bekommt man oft genug geschildert und seine Vergangenheit wird besonders oft hervorgekramt. Alles in allem reicht das leider nicht für die Bestwertung aus. Fazit: Absolut geniale Ideen, die teilweise lieblos umgesetzt sind und das Gesamtkonstrukt stellenweise im Sand verlaufen lassen. Hier rächt sich die fehlende Handlung. Dadurch, dass kaum etwas passiert (was per se nicht unbedingt schlecht ist), kommen die kleinen Fehler ans Licht, die aufsummiert ein ganzes Herz verschenken.

Ein weiteres halbes Herz ziehe ich dafür ab, dass die Optik des Covers in der Taschenbuchausgabe durch das Schriftbild ziemlich zerstört wird. Sorry, aber diese Schrift geht mal gar nicht. Viel zu verspielt und romantisch. Die Schrift auf dem Paperback passt viel besser.


Bibliografische Angaben

Autor/In Emily St. John Mandel
Titel Das Licht der letzten Tage [Original: Station Eleven]
Verlag Piper
Format Taschenbuch
Seitenzahl 416 Seiten
Erscheinungsdatum 01. Februar 2017 (PB: 14. September 2015)
Altersempfehlung (eigene Einschätzung) ab 12 Jahren
Genre Dystopie
Leseprobe Amazon*

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