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Das Syndrom (John Scalzi)

Klappentext

Gefangen im eigenen Körper
Ein Virus geht um die Welt, und die Folgen sind katastrophal. Die meisten Opfer kommen mit einer Art Grippe davon, doch für einige wenige wird die Ansteckung zum Horror: Sie fallen in ein totales Wachkoma, das sogenannte Haden-Syndrom. Millionen von Menschen sind betroffen, und in den USA ist nichts mehr, wie es einmal war. Als der junge FBI-Agent Chris Shane auf einen mysteriösen Mordfall angesetzt wird, stechen er und seine Partnerin in ein Wespennest – ein brutales Versteckspiel beginnt, in dessen Zentrum möglicherweise die Antwort auf das Rätsel des Haden-Virus steht …

Der erste Satz

„Zufällig fiel mein erster Arbeitstag auf den ersten Tag des Haden-Streiks, und ich gebe ehrlich zu, dass es ein ungünstiges Timing war.“

Zur Geschichte selbst

Als Folge eines Virus, das nach einem prominenten „Opfer“ Haden-Virus genannt wird, werden in einigen Fällen Körper und Geist quasi von einander getrennt. Es kommt zum sogenannten „Lock In“ (was im Übrigen auch der Titel der englischen Originalausgabe ist), bei dem die Kranken in ihrem eigenen Körper eingeschlossen sind. Wieder andere Opfer kommen ohne bleibende Schäden davon und können zu sogenannten „Integratoren“ werden, die in der Lage sind, ihren Körper an Hadens (wie Menschen im Lock-In-Stadium genannt werden) auszuleihen, so dass diese ganz reale Eindrücke in ganz realen Körpern wahrnehmen können. Die Alternative zu Integratoren sind sogenannte Threeps (Personentransporter) im Einsatz, die einen künstlichen Körper für die Hadens darstellen, die im Lock In nicht mehr auf ihren eigenen Körper zugreifen können.

Meine Meinung

Einmal davon abgesehen, dass ich die Vorstellung von Integratoren (oder eher dass man bei ihnen nie weiß, ob sie gerade integriert oder sie selbst sind) und Threeps (die Jahre still rumstehen können und sich plötzlich bewegen, wenn ein Haden sie benutzt, ziemlich unheimlich finde, ist die Welt wirklich gut beschrieben.

Das Haden-Virus und seine Folgen sind realistisch geschildert. Es ist das Virus (das – nachdem man es ausreichend erforscht hatte – nach der ehemaligen Firstlady Margaret Haden benannt wurde), das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.

Es ist interessant zu sehen, was das Virus mit den Menschen macht, die davon (direkt oder indirekt) betroffen sind. Vom Aushängeschild Chris Shane (seines Zeichens frischgebackener FBI-Agent und Protagonist der Geschichte) bis zur Aktivistin Cassandra Bell, die sich vehement weigert einen Integrator oder Threep zu nutzen und damit für ordentlich Furore sorgt.

Zwischenzeitlich hat man den Eindruck, dass der Autor uns in seiner Geschichte eine Zweiklassen-Gesellschaft verkaufen will, was auch wirklich gut vermarket wird. Man hat einerseits die gesunden Menschen und die Menschen, die durch das Virus in ein Lock In versetzt wurden. Letztere – die Hadens – werden oft als etwas schlechtes angesehen, weil sie durch den Staat bevorzugt werden, nur weil sie mit den Folgen der Erkrankung zu kämpfen haben. Ein entsprechendes Gesetz, das genau dies verhindern soll, führt schließlich zur Handlung.

Um ehrlich zu sein, habe ich das Buch zuerst nur gekauft, weil ich ohnehin gerade Bücher bestellt habe und ich auf Herrn Scalzi bzw. seine Bücher schon öfter ein Auge geworfen habe. Am Ende bin ich sogar froh, dass ich das Buch gekauft und gelesen habe. Es dauert durch die recht langen Erklärungen (ein fiktiver Online-Bericht über das Haden-Syndrom ist der eigentlichen Geschichte vorangestellt) relativ lange bis die Handlung fahrt aufnimmt. Allerdings sind die Erklärungen notwendig um die komplexe Problematik und die Charaktere zu verstehen und sobald es richtig (also so wirklich richtig) losgeht, kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen.


Mein Fazit

Ein guter Science-Thriller (vermutlich aus Gründen der zu Beginn recht langsamen Handlung steht Roman auf dem Cover), der gut mitreißen kann und mit einer originellen Idee zu überzeugen weiß. Besonders die Ich-Perspektive von Chris Shane ist gut gewählt, vor allem, da Chris als Haden von fast allen Problemen direkt betroffen ist. Hinzu kommt, dass er es schafft, in wenigen Tagen wohl einige Tausend Dollar in den Sand zu setzen (wie er selbst feststellen wird: Er sollte eher in günstigere Threeps investieren).

Ich bereue es nicht, das Buch gelesen zu haben. John Scalzi ist besonders für seine Trilogie um den „Krieg der Klone“ bekannt (die ich nicht gelesen habe), liefert aber auch mit „Das Syndrom“ einen wirklich guten Roman ab, der mit einer ausgepfeilten Idee und einem rätselhaften Plot zu überzeugen weiß. Von mir gibt es definitiv die Höchstpunktzahl.


Bibliografische Angaben

Autor/In John Scalzi
Titel Das Syndrom [Lock In]
Verlag Heyne
Format Taschenbuch
Seitenzahl 400 Seiten
Erscheinungsdatum 13. Juli 2015
Altersempfehlung (eigene Einschätzung) ab 12 Jahren
Genre Science-Thriller
Leseprobe Amazon*

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