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Ode ans Scheitern: Ein Schlussstrich.

Eine dramatische Schieflage.



Es war der 10. Dezember 2015, an dem die Arbeit an Tränenherz begonnen hatte. Es entstand der rote Faden einer Geschichte, der immer wieder eingerollt und neu ausgerollt wurde. Nach und nach wurde auch die Welt für diese Handlung gesponnen. Charaktere erblickten das Licht der Welt. Doch hat es das Projekt nie über den holprigen Start hinaus geschafft. Heute, am 21. Januar 2017, knapp 13 Monate später, sind in zahlreichen Varianten der Geschichte kaum mehr als 10.000 Wörter zusammengekommen.

Wenn ich nach 13 Monaten harter Arbeit nicht mehr als zig Anfänge für ein und die selbe Geschichte zusammenbekommen habe, stellt sich mir unweigerlich die Frage: Lohnt sich das überhaupt? Wenn ich ehrlich bin, kann ich diese Frage nur mit einem klaren „Nein“ beantworten. Der Aufwand übersteigt den Nutzen um ein Vielfaches, für ein Produkt das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Der Grund: Ich habe in 13 Monaten zahllose Zahnräder geformt. Und doch fehlt mir die Möglichkeit, sie sinnvoll zusammen zu setzen um ein lauffähiges Getriebe daraus zu machen.

Es ist einfach nicht möglich. Immer wieder hakte es an allen Ecken und Enden. Ständig fehlten die Verbindungsstücke. Ständig rutschte mir Sand zwischen die Zahnräder, von denen einige unter der Überlast einfach zerbrochen sind, wodurch noch mehr Verbindungsteile fehlten. Ein ewiger Teufelskreis, aus dem ich nicht ausbrechen kann.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diesen Wahnsinn auch noch locker weitere 13 Monate fortsetzen kann, ohne zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Deshalb mache ich es offiziell: Das Projekt Tränenherz ist gescheitert, daraus wird keine Geschichte, jedenfalls nicht in diesem Leben.

 

Vielleicht ein neuer Plan.



Ich kann nicht erklären, woran es liegt, dass ich das Projekt nicht in Gang bekomme. Zu Beginn der Arbeit war ich optimistisch, den Roman bis Mitte 2016 auf den Markt bringen zu können. Jetzt haben wir Anfang 2017 und ich bin weit davon entfernt, auch nur den Rohentwurf eines Manuskriptes beisammen zu haben. Klar kann es sein, dass man seine Pläne ändern muss. Aber ein Jahr an etwas zu Arbeiten und nicht voranzukommen ist nicht gerade berauschend.

Allerdings habe ich eine Idee, wie es weitergehen kann. Die Welt Astoría, die in diesen 13 Monaten entstanden ist, werde ich beibehalten, um nicht die komplette Arbeit in die Tonne treten zu müssen. Dennoch wird es einen radikalen Umbruch geben. Der erste Schritt ist offensichtlich: Der Arbeitstitel Tränenherz ist zu negativ belastet, um ihn weiter zu verwenden. Auch an den Charakteren wird sich einiges ändern müssen. Den Rotstift werde ich zu erst bei meinem eigentlichen Protagonisten ansetzen. Versteh mich nicht falsch, denn die Grundidee dieses Charakters war super, aber der Kerl ist mir einfach unsympathisch. Ohne einen Grund dafür nennen zu können: Ich werde mit ihm nicht warm. Die Chemie zwischen uns stimmt einfach nicht.

Der nette Herr – Récan war sein Name – wird mit dem Projekt ins Nirvana verbannt. Es tut mir leid, diesen Schritt gehen zu müssen, aber einen Charakter, der selbst seinem Schöpfer unsympathisch wird, muss lieber früher als später gehen. Natürlich habe ich bereits eine Alternative vorbereitet. Immerhin kann man einen Roman ja nicht mit nur einem Charakter schreiben (mir fällt jedenfalls kein Beispiel ein, wo dem so wäre).

Für mich heißt das jetzt, dass ich bei allem, das irgendwie über das Setting hinaus geht komplett bei Null anfange, wobei nicht einmal sicher ist, dass die Welt so bleibt wie sie jetzt ist. In den nächsten Wochen sind meine Aufgaben also: Neue Charaktere entwerfen, neue Plots entwickeln und schließlich einen komplett neuen Roman schreiben.

 

Die Konsequenzen.



Die Entscheidung ist mir verdammt nochmal nicht leicht gefallen. Aber irgendwann muss man sich von Maschinen trennen, die ihren Zweck nicht mehr erfüllen können. Also auch einen Roman einstampfen, bevor ich ihn überhaupt geschrieben habe und den Zeitplan auch nur ansatzweise eingehalten habe.

Allerdings werde ich nur aufgrund der Tatsache, dass mein Debütroman quasi gescheitert ist, nicht meine Karriere als Schriftsteller an den Nagel hängen, bevor sie überhaupt begonnen hat. Mit dem neuen Plan habe ich 300 Tage Zeit, das neue Projekt fertig zu stellen. Inklusive Zeiträumen für intensive Planung, Testleser und Überarbeitung.

Außerdem soll sich eine Sache ändern: Das Marketing. Meine PR-Fähigkeiten ließen 2016 doch sehr zu wünschen übrig. Ich denke auch, ein Grund, aus dem Tränenherz gescheitert ist, war dass ich mit meinen Ankündigungen meine Erwartungen in unerreichbare Dimensionen hochgeschraubt und meine eigenen Fähigkeiten maßlos überschätzt habe. Wenn ich die Arbeit am neuen Roman nächsten Montag aufnehme, sollen die Leser von Anfang an dabei sein, dabei allerdings keine Pläne oder Wünsche, sondern nur Fakten (am Liebsten auch Funfacts) bekommen.

 

Ein Neubeginn.



Es bringt nichts, dem gescheiterten Projekt zu viele Tränen nachzuweinen. Ich halte die Erfahrungen und Erfolge, die ich trotz allem erzielt habe in liebevoller Erinnerung und nehme das Ende als Ansporn, das nächste Projekt von Anfang an besser zu machen.

Die Arbeit am neuen Projekt nehme ich nächsten Montag auf, bis dahin gibt es noch ein paar Dinge ringsherum (ganz besonders den Zeit- und Marketingplan), die noch geklärt werden müssen.

In diesem Sinne: Ein Ende kann ein wunderbarer Anfang sein. Ich weiß dass ich das schaffen werde und möchte anderen Schriftstellern noch eine Sache mit auf den Weg geben. Wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht. Man sollte sich dann auch nicht zu schade sein, das Projekt beiseite zu legen und an einer anderen Stelle nochmal von vorne zu beginnen. Denn ich weiß eines: Wenn ich auf Krampf an Tränenherz festhalte, werde ich dem Traum vom Schreiben nur hinterherlaufen ohne ihn jemals zu erreichen.

4 thoughts on “Ode ans Scheitern: Ein Schlussstrich.

  1. Ich wünsch dir alles Gute für das neue Projekt! Auch aus Charakteren, die zunächst vielleicht nur als Nebenfiguren gedacht waren, entstehen manchmal tolle Geschichten (war zumindest bei mir so^^). Viele Grüße und nicht verzagen! 😀

    1. Genau, backen wir erst einmal Einhörnchen.
      Ich weiß noch nicht genau, wie das Projekt genau aussehen wird, weiß ich selber wahrscheinlich erst Mitte bis Ende Februar. Wahrscheinlich ist, dass ich erstmal eine andere Richtung einschlage und mich eine Weile von Astoría fernhalte (und den dazugehörigen Roman auf die Agenda für 2018 setze), um Abstand zu gewinnen. Spontan würde ich eher an etwas in Richtung Dystopie bzw. Science-Fiction denken, bin mir aber wie gesagt noch nicht sicher.

      Heute und morgen stelle ich mir erst einmal einen Zeitplan zusammen, damit #ProjektCys (um dem Kind einen Namen zu geben) nicht genauso in einem Desaster endet. Also erstmal festlegen, wann die Testleser an das Manuskript dürfen, wann welcher Schritt abgeschlossen werden sollte und wann ich was im Blog schreibe. Ab Montag geht es dann an die Planung, die wahrscheinlich mit Rumkramen in der Ideenschublade anfängt.

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