Wo soll das alles hinführen? Oder: Wie ich Selbstzweifeln den Kampf ansagte…

Schreib doch einfach mal ein Buch. So schwer kann das doch nicht sein, oder?

Ständig lese ich auf Twitter von Menschen, die ihr neuestes Buch fertiggeschrieben / überarbeitet / veröffentlicht haben. Einige zum ersten Mal, andere öfter. Leute, ganz ehrlich, es ist deprimierend. Klar, ich gönne euch eure Erfolge durchaus.

Nur ist die Situation leider folgende: Ihr macht und schreibt, überarbeitet und veröffentlicht im Akkord. Und ich? Ich haue meinen Kopf auf die Tastatur und werfe frustriert den Schreibblock in die Ecke, wenn ich solche Tweets lese. Jedes verdammte Mal stellt sich mir nur eine Frage:

Warum kann ich das nicht auch?

Die Anzahl der Projekte die ich angefangen und wieder abgebrochen habe, kann ich nicht mehr an den Fingern abzählen. Tatsächlich habe ich sogar schon lange aufgehört, diese Fragmente zu zählen.

Alles beginnt mit einer Idee. In meinem Kopf ist die Idee rund und ich habe eine wunderbare Vorstellung davon, wie die Geschichte auszusehen hat. Glaube ich jedenfalls. Doch sobald ich vor der leeren Seite sitze: Blackout. Es ist mir einfach nicht möglich, meine Ideen aus dem Kopf zu Papier zu bringen.

Jedes Mal wenn ich anfange, beginne ich nämlich darüber nachzudenken, was ich schreiben wollte. Und das ist meistens der Moment, in dem sie in Schwärmen bei mir einfallen: Selbstzweifel, Perfektionismus, die Angst vorm Scheitern (und noch einige mehr). Alles denkbar unangenehme Zeitgenossen und ich verbringe mehr Zeit mit ihnen als mir lieb ist. Jedes Mal, wenn ich vor der leeren Seite sitze komme ich mir vor wie gelähmt. All die schönen Bilder, all die atemberaubenden Szenen, all die grandiosen Momente – mit einem Mal ist alles weg. Es ist kein Problem für mich, über die Geschichten nachzudenken. Nur kann ich diese Ideen nicht in eine Geschichte verwandeln.

Und falls ich diese anfängliche Phase überwunden habe, geht es weiter: Eine Szene ist geschrieben und ich lese sie noch einmal. Und dann denke ich: Wer will denn sowas lesen? Selbst für einen ersten Entwurf ist das viel zu schlecht. Das kannst du so doch nicht stehen lassen.

Wo soll das alles hinführen?

Tatsächlich ist das die einzige Frage die ich manuskripttechnisch heute runtergeschrieben habe. Die traurige Wahrheit: Ich habe Mosaiksteine, Puzzleteile und Fragmente, habe aber nicht annähernd eine Vorstellung davon, wie das Gesamtbild aussehen soll. Ich kenne die Figuren, aber ich weiß nicht, wohin ihre Geschichte gehen soll. Ich habe einen Anfang. Ich kenne aber weder die Richtung, die die Geschichte nehmen soll, noch habe ich einen roten Faden, der mich zum Ziel führt.

In Kombination mit meinen überambitionierten Schreibzielen – die ich mir, lernresistent wie ich bin, immer wieder setze – habe ich noch nie das Wort ENDE unter ein Romanmanuskript setzen können. Meine Motivation nimmt immer weiter ab und mittlerweile stehe ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. Aufgeben bevor ich am Ziel angekommen bin…

Was soll der Scheiß?

Nein, ihr habt vollkommen Recht. Es bringt einfach nichts, wenn ich hier nur jammere. Nein. Ich möchte endlich an meinem Ziel ankommen. Auch wenn man sich nie mit anderen messen sollte: All die anderen Schriftsteller in meiner Timeline haben es doch auch geschafft. Warum also nicht auch ich?

Gut, von meiner Deadline am 31. Juli, bis zu der ich noch mindestens 92.000 Wörter schreiben müsste (macht ca. 10.223 Wörter pro Tag), kann ich mich getrost verabschieden. Das wird wohl nichts mehr (und wenn doch, müsste da ein ziemliches Wunder geschehen). An meinen „Glanztagen“ schreibe ich normalerweise 500, an sehr guten Tagen auch mal 1.500 Wörter. Doch die meisten Tage ergeben einfach eine traurige Null auf dem Zähler.

Das kann so doch nicht weitergehen. Deshalb werde ich in den nächsten Tagen einfach Folgendes machen: Augen zu und durch! Heißt: Einfach aufhören zu denken und die Ideen so runterschreiben wie sie kommen. Für die Überarbeitung ist hinterher noch genug Zeit. Wenn ich von meinem Schreibtisch nach rechts blicke, sehe ich mein Bücherregal. Und dann denke ich mir: Da würden sich deine eigenen Geschichten doch bestimmt auch gut machen, oder? Also: Lass die Selbstzweifel einfach Selbstzweifel sein und zieh es einfach durch. Jetzt!

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